
Der nachfolgende Artikel erschien am Donnerstag, 14.06.2007 auf
Seite 22 der Süddeutschen Zeitung.
Gründerporträt
Der Praktikamacher
Dirk Schuhmacher hat sich selbständig gemacht - er vermittelt Praktikumsplätze im Ausland.
Von Sibylle Haas
Dirk Schuhmacher hat in diesen Tagen mehr als sonst zu tun. Das Telefon klingelt ohne Unterbrechung. Der 33-jährige Wirtschaftsjurist vermittelt Praktikumsplätze im Ausland. Und weil viele Studenten noch kurzfristig in den Sommer-Semesterferien ins Ausland wollen, geht es bei Schuhmacher turbulent zu.
Er selbst hatte sich vor sechs Jahren in Ecuador auf eigene Faust auf die Suche nach einem Praktikum gemacht. "Das war ganz schön naiv", sagt er heute. "Man braucht Kontakte, um einen Job zu bekommen." Schuhmacher hatte Glück. Beim Salsa-Tanzen in Quito lernte er die Ecuadorianerin Mercedes Arroyo kennen, die in einem Reisebüro angestellt war. Sie kannte deshalb eine Menge Leute, und Schuhmacher kam bei einem Nachrichtensender unter. "Doch das war alles reiner Zufall", sagt er.
Schuhmacher hatte damals schon Erfahrungen im Ausland gesammelt. Er war während der Schulzeit mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm des deutschen Bundestages und des amerikanischen Kongresses ein Jahr in den USA und nach dem Abitur für 18 Monate mit der Aktion Sühnezeichen in Frankreich. Er ist neugierig und kommt leicht mit Fremden ins Gespräch.
Doch nicht alle Menschen sind so. Deshalb entstand die Idee, von Deutschland aus Praktikumsplätze in Ecuador zu vermitteln. "Olé - auf geht"s", lautete das Motto der jungen Leute und war der Beginn der Olé -Praktikumsbörse.
Heute vermittelt Schuhmacher Praktikumsplätze auch in Peru, Chile, Argentinien und China. Er organisiert Jobs in Krankenhäusern und Kinderheimen sowie in Banken, Industrieunternehmen oder im Tourismus. In jedem Land hat er eine Kontaktperson, wie Mercedes Arroyo in Ecuador, die noch immer für ihn arbeitet.
Schuhmacher, geboren in Heidelberg, kümmert sich von seinem Büro in Bamberg aus ums Geschäft. Er sucht zusammen mit seinen Leuten am Ort die Praktikumsstellen aus, organisiert die Unterkunft und den Sprachkurs und sorgt dafür, dass die Praktikanten am Flughafen des Gastlandes abgeholt werden. Die Vermittlung eines sechs- bis achtwöchigen Praktikums kostet viel Geld: Durchschnittlich 1500 Euro sind für Unterkunft und Sprachkurs fällig, dazu kommt der Flug. "Die Studenten bekommen dafür aber hervorragende Jobs und haben Planungssicherheit. Außerdem gibt es eine Kontaktperson direkt am Ort", sagt Schuhmacher.
Sein Arbeitstag dauert selten nur acht Stunden. Er steht um halb sieben auf, joggt eine Stunde und sitzt spätestens um halb neun am Schreibtisch. Wegen der Zeitverschiebung konferiert er vormittags mit seinem Mitarbeiter in Schanghai und nachmittags mit seinen Leuten in Südamerika. Dazwischen beantwortet er Anfragen von Studenten.
Außerdem ist Schuhmacher viel unterwegs, um sich mit künftigen Praktikanten zu treffen. In den Gesprächen bereitet er sie auf das Gastland vor und berichtet von dem Leben in den Gastfamilien. Außerdem hält er Vorträge an Universitäten zum Thema. Mit seinen früheren Kommilitonen wolle er nicht tauschen. "Ich habe einen spannenden Job und verdiene so viel wie einige, die Anwälte wurden", sagt er. Seine Praktikumsbörse solle weiter wachsen: Australien sei in der Planung.
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