Quito - Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin
Seit letzter Woche ist Konstanze W. in Quito. Wir haben für Sie ein Praktikum bei einem Fernsehkanal organisiert und Ihr eine ecuadorianische Familie vermittelt wo Sie für die Dauer ihres Aufenthalts lebt. Im Folgenden berichtet Konstanze W. von Ihren Erfahrungen in Quito.
„Jetzt bin ich schon mehr als eine Woche hier in Quito. Das Abholen vom Flughafen, die Gast-Familie, alles total unproblematisch. Nach dem ersten Tag meines Praktikums beim TV-Sender TC, Canal 10, habe ich mir schon gedacht: "Irgendwie geht das alles viel zu einfach. Ich bin doch in Südamerika, so gut können die das doch gar nicht organisiert haben." Tja, und just in jener Nacht, von Montag auf Dienstag, hat ein Richter beschlossen, dass der Kanal zumindest für einen Tag gesperrt wird. Er und ein anderer Sender gehören nämlich einer reichen Familie, die an die 200 andere Unternehmen hat. Unter anderem auch eine Bank, aus der die Familie vor 10 Jahren Geld genommen hat - die Bank ist bankrott gegangen und ein Haufen Gläubiger ist zurückgeblieben. Der Prozess geht jetzt schon seit 10 Jahren und jetzt, in der ersten Woche meines Praktikums hat der Staat beschlossen, das ganze zu beschleunigen. Also wurde der Sender unter staatliche Obhut gestellt, bis er irgendwann an wen auch immer verkauft wird. In den europäischen Medien war zum Teil zu lesen, dass das ein Angriff auf die Pressefreiheit war - dass der ecuadorianische Präsident, ein Sozialist, nun das macht, was Chavez auch in Venezuela gemacht hätte: Kritische Sender behindern. Das ist allerdings Blödsinn. Und seit dem einen Tag, an dem der Kanal gesperrt worden war, machen aber wieder alle "normal" weiter: Man versucht es zumindest, nachdem jetzt ständig zehn Polizisten anwesend sind."
Labels: Ecuador, Erfahrungsbericht, Praktikum im Ausland

2 Comments:
interessant, wie unterschiedlich - und damit auch tatsächlich aufklärend - die analyse eines solchen "die pressefreiheit einschränkenden" vorfalls ausfallen kann, wenn jemand direkt vor ort darüber berichtet...
grüße nach ecuador.
8:50 AM
In der Presselandschaft gilt nicht selten der Spruch: "Geschrieben wird was sich verkaufen lässt". Analysiert man die Nachrichten, die bei uns über Südamerika veröffentlicht werden ist eine Tendenz erkennbar, die Länder wie Argentinien pauschal als wirtschaftlich instabil, Ecuador als ein "verlorenes Land" und Chile als Lichtblick darstellen. Umso erfrischender ist es, wenn Leute direkt aus den Ländern berichten um ein gängiges Bild mit neuen Farbtupfern zu belegen.
8:34 AM
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